An wen und wie wird in der Stadt erinnert?
Wer entscheidet, woran wir uns erinnern?
Und wie wird in Zukunft erinnert werden?

Das de:colonial monuments lab ist ein hochschulübergreifendes Lehrprojekt, das Studierende dreier künstlerischer Hochschulen – der HAW Hamburg, der HCU Hamburg und der HfMT Hamburg – zusammenbringt. Ziel ist es, sich interdisziplinär mit urbanen Erinnerungsorten sowie mit zukünftigen Formaten der Erinnerungskultur auseinanderzusetzen. Ausgangspunkt und exemplarischer Untersuchungsraum ist der historische Ort des Baakenhafens in der Hamburger HafenCity.

Im Zentrum des Lehrprojekts steht die Frage, wie ein bislang marginalisierter Schauplatz deutscher Kolonialgeschichte als Ort des kritischen Lernens, Verlernens und kollektiven Erinnerns neu lesbar gemacht werden kann. Das Format versteht sich als Labor: Es erforscht und erprobt Strategien, die dominante Narrative hinterfragen und alternative Formen des Gedenkens sichtbar und erfahrbar machen.

Hintergrund

Der Baakenhafen ist ein zentraler, jedoch bislang kaum gekennzeichneter Erinnerungsort des deutschen Kolonialismus. Von hier aus wurden zwischen 1904 und 1908 Soldaten in das damalige „Deutsch-Südwestafrika“ verschifft, wo der Völkermord an den Herero und Nama begangen wurde – der erste Genozid des 20. Jahrhunderts. Der Hafen fungierte als logistische Drehscheibe und zugleich als Bühne kolonialer Machtdemonstration: Öffentliche Verabschiedungsfeiern und Begrüßungszeremonien inszenierten imperiale Expansion als nationales Ereignis.

Bis heute fehlt am Baakenhafen eine sichtbare Auseinandersetzung mit dieser Geschichte. Die aktuellen Planungen, auf dem Baakenhöft eine neue Oper als kulturelles Prestigeprojekt zu errichten, werfen vor diesem Hintergrund Fragen nach Erinnerungspolitik, städtischer Repräsentation und kolonialer Amnesie auf.

de:colonial monuments lab Tag im urbaneo, Hafencity (Fotos: Sebastian Ziemann)

Format

Als interdisziplinäres Blockseminar verbindet das de:colonial monuments lab theoretische Auseinandersetzung, künstlerische Praxis und forschendes Lernen. Durch die Bildung von studiengangübergreifenden Gruppen wird den Studierenden die Möglichkeit geboten, neue Perspektiven auf Erinnerungskultur zu entwickeln und alternative Formate des Gedenkens und Erinnerns zu erproben.

Beteiligte & Kooperationen

Das Projekt wird in Kooperation mit der Behörde für Kultur und Medien (Abteilung Erinnerungskultur) sowie dem Kunst- und Forschungsfestival KLIMASTRÖME realisiert und ist durch den Hochschulfonds der Claussen-Simon-Stiftung gefördert.

Die Leitung des Projekts erfolgt durch Vera Heimisch und Kajan Luc.

Kajan Luc (sie/ihr) lebt und arbeitet in Hamburg als Designerin, Kuratorin, Dramaturgin und Dozentin mit Fokus auf macht-, rassismus- und kolonialkritische Gestaltungspraktiken. In ihren multimedialen Interventionen, Workshops und experimentellen Seminare verhandelt sie Fragen von Klima(un)gerechtigkeit, Erinnerungskultur und Diskriminierung. Als Mitinitiatorin des de:colonial monuments labs verbindet sie ihre Tätigkeit als Dozentin mit dramaturgischer Praxis.