Teilnehmer:innen des Cultural Leadership-Stipendienprogramms (Foto: Institut KMM)

Das Cultural Leadership-Stipendienprogramm ist 2023 mit der ersten Pilotphase in NRW gestartet und wird nun 2025 mit Unterstützung der Behörde für Kultur und Medien sowie der Alfred Toepfer Stiftung in Hamburg weitergeführt.

Kurzinformationen sind hier auf der Seite zu finden, ausführliche Informationen zum Projekt und dem Programm unter www.leading-culture.de.

Das Konzept

Kulturorganisationen stehen heute vor weitreichenden Herausforderungen, die durch die Dynamiken unserer Zeit verschärft werden: Diskursverschiebungen in der Gesellschaft, eine erhöhte Sichtbarkeit von Führungsverhalten durch soziale Medien und die postpandemischen Veränderungen haben den Druck auf Führungspersönlichkeiten weiter erhöht. Gleichzeitig wird in vielen Kulturinstitutionen der Ruf nach Erneuerung immer lauter, da veraltete Führungsstrukturen die Anpassungsfähigkeit der Organisationen behindern und es zunehmend schwerer wird, junge Talente für eine berufliche Zukunft im Kulturbereich zu gewinnen. Kulturorganisationen müssen in dieser sich rasant wandelnden Umwelt nicht nur ihre finanzielle Stabilität sichern, sondern auch ihre gesellschaftliche Relevanz behaupten. Die Notwendigkeit zur Anpassung an Themen wie Diversität, Partizipation und die sich verändernden Erwartungen der Gesellschaft macht deutlich, wie wichtig eine zeitgemäße und werteorientierte Führung ist. Dabei zeigt sich eine besondere Herausforderung darin, dass Führungsverantwortung oft auf Basis fachlicher Expertise und nicht aufgrund von Führungskompetenz übertragen wird. Führung wird – wenn überhaupt – „on the job“ gelernt.

Daraus ergibt sich für uns: Wer Kulturorganisationen zukunftsfähig machen will, muss in die Qualifizierung von Führungspersonal investieren und das Thema „Personalentwicklung“ stärker als bisher auf die Agenda setzen. Dabei eignet sich das Konzept des „Cultural Leadership“ ideal, um auf die oben skizzierten Herausforderungen zu reagieren, denn es thematisiert zwei für Kulturorganisationen essenzielle Führungsdimensionen: Zum einen die wirksame interne Führung, insbesondere die Fähigkeit zur Transformation in dynamischen Zeiten, und zum anderen die gesellschaftliche Führungsverantwortung von Kulturorganisationen. Während in vielen englischsprachigen Ländern schon seit über zwanzig Jahren öffentlich geförderte Programme für Führungskräfte im Kulturbereich existieren, die explizit mit dem Konzept arbeiten, fehlt es in Deutschland bislang an vergleichbaren systematischen Angeboten. Bis auf vereinzelte Stiftungsinitiativen gibt es kaum Programme, die sich der systematischen Ausbildung von Führungskompetenzen widmen.

2023 konnten wir mit dem ersten Cultural Leadership-Stipendienprogramm einen Prototyp entwickeln, der diese Lücke füllt. Das in Nordrhein-Westfalen durchgeführte Pilotprojekt war als berufsbegleitendes Weiterbildungsprogramm für junge Führungskräfte im Kulturbereich konzipiert und wurde in Kooperation mit dem Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft realisiert. Von November 2023 bis Juni 2024 konnten so 15 Stipendiat:innen aus unterschiedlichen Sparten und Tätigkeitsfeldern das neue Programm ein erstes Mal durchlaufen. Nun gilt es, den Prototypen mit den Erfahrungen aus dem ersten Durchlauf sowie folgenden Durchläufen weiterzuentwickeln und in weiteren Bundesländern zu erproben, um perspektivisch ein möglichst bedarfsgerechtes und wirksames Programm zur Förderung von Cultural Leadership-Kompetenzen auf Bundesebene anbieten zu können.

Das Cultural Leadership-Stipendienprogramm

Das neue Programm erstreckt sich über acht Monate und setzt sich aus intensiven, mehrtägigen Präsenzworkshops und kurzen Online-Impulsen zusammen, die durch Reflexion und Beratung in kollegialen Lerngruppen ergänzt werden. Ziel ist es, die Teilnehmenden sowohl in ihrer Führungsrolle innerhalb der Kulturorganisationen zu stärken als auch bei der Übernahme von Verantwortung für die gesellschaftliche Wirksamkeit ihrer Organisationen zu unterstützen.

Abbildung 1: Die Lerndramaturgie des ersten Durchlaufs

Die Programminhalte orientieren sich an den aktuellen Diskursen über Führung in Kulturorganisationen und den dort identifizierten Bedarfen von Cultural Leadership-Kompetenzen. Das Programm versteht sich dabei nicht primär als Ort der Vermittlung von Grundlagenwissen des Kulturmanagements (bspw. Kulturfinanzierung, Kulturrecht, Kulturmarketing, Kulturpolitik usw.), sondern legt den Schwerpunkt spezifisch auf die Aspekte von Führung, die mit persönlicher Haltung, Kommunikation und Transformationskompetenzen verbunden sind. Um den Herausforderungen der Teilnehmer:innen dabei möglichst bedarfsgerecht begegnen zu können, werden diese in die finale Programmgestaltung und Schwerpunktsetzung einbezogen.

Die zentralen Themen- und Kompetenzfelder des Curriculums sind:

  • Selbstmanagement und Selbstführung: Die Teilnehmenden reflektieren ihre eigene Führungshaltung und lernen, ihre Stärken im Führungskontext gezielt einzusetzen.
  • Veränderungsprozesse gestalten: Ein Schwerpunkt liegt auf der Fähigkeit, Veränderungsprozesse in Kulturorganisationen zu initiieren und zu begleiten. Hierzu gehört auch der Umgang mit Widerständen und die Entwicklung von Strategien zur erfolgreichen Transformation.
  • Führung als Beziehungsprozess: Die Teilnehmenden entwickeln Kompetenzen, um in komplexen, kollaborativen Arbeitsumfeldern erfolgreich zu führen und Beziehungen zu gestalten.
  • Diskurse im Cultural Leadership: Die Teilnehmenden werden in aktuelle Debatten und Diskurse des Cultural Leadership eingeführt und lernen, diese aktiv mitzugestalten.

Mehr Informationen zum grundlegenden Konzept und dem ersten Durchlauf des Cultural Leadership-Stipendienprogramms 2023-2024 sind auf der Website des Projekts zu finden: www.leading-culture.de